Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, www.maerkischeallgemeine.de, 21.05.2008
TOLERANZEDIKT: Auch dick und dünn und jung und alt
Diskussionstafeln an Schulen
POTSDAM / TELTOWER VORSTADT - Weil das neue Potsdamer Toleranzedikt möglichst viele Jugendliche erreichen soll, sind gestern in sieben weiterführenden Schulen und dem Oberlin-Berufsbildungswerk in der Steinstraße Diskussionstafeln aufgestellt worden. 34 Standorte – darunter die Universität, das Rathaus und die Bahnhofspassagen (MAZ berichtete) – wurden mittlerweile bestückt. Laut Projektkoordinator Daniel Wetzel mussten bereits an mehreren Stellen die voll geschriebenen Tafeln durch neue ersetzt werden. „Es gibt einen menschlichen Maßstab, den man nicht verändern sollte, sondern nur verlieren kann.“ Mit diesen Worten des Schweizer Schriftstellers Max Frisch hat Bildungsstaatssekretär Burkhard Jungkamp gestern die Tafel im Humboldtgymnasium für Meinungen und Ideen freigegeben. Schulleiterin Carola Gnadt folgte: „Die Pflege des Toleranz-Gedankens ist ein wichtiger Schritt hin zur gelebten Wertschätzung des Anderen.“ Auch Schüler verewigten ihre Vorstellungen. „Keine Toleranz der Intoleranz“ und „Nazis raus“ wurde gefordert. Ein Mädchen stellte fest: „Bildung ist das wirksamste Mittel gegen Intoleranz“.
Zuvor hatte Simone Leinkauf, Vorsitzende des Vereins „Pro Wissen“, das Projekt Potsdamer Toleranzedikt Acht- und Zehntklässlern vorgestellt. Sie stellte klar, dass sich Toleranz nicht nur gegenüber Ausländern zeige, auch zwischen „Dicken und Dünnen, Jung und Alt“. Ein „virulentes Thema“ in der Stadt sei zudem das Verhältnis von ehemaligen DDR-Bürgern und Neu-Potsdamern, die aus Westdeutschland kamen. Derartige Vorbehalte zwischen Ost und West gebe es im Humboldtgymnasium wohl kaum, vermutete Leinkauf. Mit dem Toleranzgedanken kam Saskia Michaelis im LER-Unterricht in Berührung. Es gäbe weniger Konflikte und Kriege, wenn Menschen vorurteilslos durchs Leben gingen, folgerte die Achtklässlerin.
Die Tafeln laden bis voraussichtlich Ende Mai zur Meinungsäußerung ein, so Wetzel. Jetzt schon werden die Gedanken dokumentiert und ausgewertet. Während der Interkulturellen Woche im Herbst sei geplant, alle Tafeln auszustellen. R.N.