Toleranz ist kein abstraktes Thema
Im Zentrum des neuen Potsdamer Toleranzediktes steht die offene und tolerante Stadt der Bürgerschaft. Die Stadt der Bürgerschaft gibt es im ‚Großen’ wie im ‚Kleinen’. Im Großen bezieht sie sich auf Themen wie die Bürgerkommune, das Integrationsleitbild oder den Lokalen Aktionsplan gegen Rechts. Im Kleinen geht es um alltägliche gute Beispiele in Wohnvierteln und Vereinen. Dabei handelt es sich jeweils um spezifische Toleranzprobleme zwischen Jung und Alt, Arm und Reich, Ost und West, Zugezogenen und Einheimischen. Die besten Beispiele alltäglicher Integrationsarbeit und bürgerschaftlichen Engagements wollen wir vorstellen. Das dient der stadtweiten Information, Anregung und Anknüpfung. Statt noch mehr Nebeneinander (ohne Wissen voneinander) soll es dabei um inhaltliche Verknüpfungen und Vertiefungen gehen. Das ist der Sinn des neuen Potsdamer Toleranzediktes.
Auf den Diskussionstafeln und den Postkarten können Sie Ihre Meinungen und Vorschläge einbringen. Alle Wortmeldungen werden von uns ausgewertet und finden Eingang in das neue Toleranzedikt. Wir wollen wissen, was Sie bewegt und was Sie sich für Ihre Stadt wünschen!
Fünf zentrale Punkte stehen derzeit auf der Webseite im Forum zur Diskussion:
(1) Alltägliche Toleranz bedeutet gute Nachbarschaft
Was bedeutet Toleranz für eine soziale Stadt? Was macht eine funktionierende Nachbarschaft aus?
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(2) Kinderfreundlichkeit als Ausdruck von Toleranz
Was heißt heute Kindeswohl? Dürfen in der kinderfreundlichsten Stadt Deutschlands Kinder ein Armutsrisiko sein?
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(3) Jugendklubs und Bürgerhäuser als Orte der Toleranz
Vergisst die Museums- und Touristenstadt ihre Jugendlichen? Welchen Beitrag leisten Bürgerhäuser für das Zusammenleben in den Stadtvierteln?
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(4) Fairplay und Integration durch Sport als gelebte Toleranz
Welchen Anteil haben Sportvereine an der Integration von sozial schwachen Familien, Menschen mit Migrationshintergrund und Minderheiten?
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(5) Unternehmen als Teil einer offenen und toleranten Bürgerschaft
Welchen Beitrag leisten Unternehmen für eine kreative Stadt?
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Wie wird das neue Toleranzedikt aussehen?
Der Prozess der Erarbeitung eines neuen Potsdamer Toleranzediktes wird noch bis Ende September andauern. Das neue "Edikt", das in der Interkulturellen Woche im Oktober vorgestellt werden soll, wird drei wesentliche Punkte zur Grundlage haben:
1. den pragmatischen Sinn, Konzepte für Toleranz und Demokratie sowie gegen Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus bekannter zu machen, in einen Zusammenhang zu stellen und wechselseitig zu verstärken.
2. geht es gleichzeitig um eine klare Wertorientierung, die im Zusammenhang mit der Interpretation von Erfahrungen zwar nicht alle Fragen beantwortet, aber an der Priorität von Freiheit, Toleranz und Solidarität keinen Zweifel lässt. Dies soll Kraft und Orientierung geben.
3. wird damit eine Recherche in Bezug auf die Stadt, ihre verschiedenen Einwohner und Perspektiven versucht. Das Toleranzedikt soll zu einem Stadtgespräch werden und zu einem Aufbruch, der vor allem die Impulse der jungen Leute, sie dürfen natürlich auch unter 18 Jahren sein, aufnimmt.
Der neue Text wird demnach eine Analyse der Stadt und des jetzigen Zustandes enthalten. Ergänzt werden wird dies durch eine umfassende Auswertung und Zusammenfassung des Diskussionsprozesses und aller eingegangen Zusendungen und Meinungsäußerungen (z.B. über Postkarten und Diskussionstafeln). Insbesondere werden aber die Selbstverpflichtungen der Vereine, Verbände, Einrichtungen und Firmen eine Rolle spielen. Sie sollen das Selbstverständnis und die breiten Aktivitäten in unserer Stadt widerspiegeln und zugleich einen Handlungsrahmen für die nächsten Jahre bilden.
Diskussionsrunde auf der Unternehmermesse Business to Dialog B2D am 21.Mai 2008
Wirtschaft und Toleranz
Am 21. Mai fand in Potsdam die Unternehmermesse Business to Dialog B2D in der Caligarihalle statt. Dazu luden die Veranstalter zu einer Gesprächsrunde zur Neuauflage des Potsdamer Toleranzediktes ein, es ging um die Rolle von Unternehmen als Teil einer toleranten und weltoffenen Bürgerschaft und die Verantwortung für das Gemeinwesen. Linda Mihalic, Vertriebsdirektorin Mittelstand der Oracle Deutschland GmbH, hob besonders den Charakter des bürgerschaftlichen Engagements hervor: „Toleranz kann man lernen. Das müssen der Kindergarten, die Schule, auch die Eltern vermitteln. Daher unterstützen wir das Potsdamer Toleranzedikt, denn das ist der richtige Weg – hoffentlich bewegt es etwas.“ In den kommenden Wochen und Monaten wird es, wie bereits angekündigt, weitere Gesprächsrunden zum Toleranzedikt in Bürgerhäusern und Begegnungsstätten geben. Weiterlesen...
Für eine offene und tolerante Stadt der Bürgerschaft
Die Landeshauptstadt Potsdam unternimmt zusammen mit dem Verein proWissen Potsdam e.V. einen Anlauf zur Diskussion eines neuen Potsdamer Toleranzediktes für das Jahr 2008. In Anlehnung an das "Edikt von Potsdam", in dem 1685 der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm Flüchtlinge in Potsdam und Brandenburg aufnahm, soll die Neuauflage eines Toleranzediktes von den Bürgerinnen und Bürgern Potsdams erstellt werden. Ursprünglich war dieses Vorhaben ein Teil der Bewerbung zur "Stadt der Wissenschaft".
Prof. Heinz Kleger, Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Universität Potsdam, legte im Januar 2008 den Text „Für eine offene und tolerante Stadt der Bürgerschaft“ als Diskussionsgrundlage eines solchen Ediktes vor.
Die darin enthaltenen Denkanstöße fordern die Einwohner von Potsdam auf, über die Gestaltung eines toleranten Lebens und eines weltoffenen Potsdams nachzudenken, diese zu diskutieren und eigene praktische Ideen zur Umsetzung zu formulieren und umzusetzen.
Prof. Kleger spricht unterschiedliche Facetten der Toleranz an. Mit dem Verweis auf die gewonnene Freiheit nach 1989 ermutigt er die Menschen, sich an der Gestaltung des Lebens in Potsdam zu beteiligen. Fragen der religiösen Toleranz und die Offenheit gegenüber ‚Fremden’ und Menschen, die neu in Potsdam sind, werden angesprochen. Aber auch soziale Toleranz vor dem Hintergrund der deutlichen sozialen Unterschiede politisch gleicher Bürger sieht Prof. Kleger als wichtigen Anspruch und Herausforderung der Toleranz. Außerdem werden die räumliche Zersplitterung der Stadt und das Erfordernis der Solidarität mit den Schwächsten der Gemeinschaft thematisiert. Fremdenfeindlichkeit als Ausdruck von Intoleranz soll wirksam bekämpft sowie die Integration von Menschen, die ‚neu’ und ‚anders’ sind, gelebt werden. Die in dem Text „Für eine offene und tolerante Stadt der Bürgerschaft“ angesprochenen Aspekte stellen Denkanstöße dar, die die PotsdamerInnen kommentieren, diskutieren und erweitern sollen.
Mit der Veröffentlichung des Textes steht die Aufforderung an die Menschen, die in Potsdam leben, selbst die Initiative für ihre Stadt zu ergreifen.
Die Initiatoren werden die Vorschläge, Bemühungen und Selbstverpflichtungen der BürgerInnen sammeln und diese als Neuauflage eines Potsdamer Toleranzediktes am Jahresende präsentieren. Dies wird ein Edikt der Potsdamer Einwohner, kein von oben diktierter Erlass.
Der Prozess der Entwicklung von Ansprüchen und Verpflichtungen soll über das Jahr durch Plakataktionen, ein Internet-Forum und durch sichtbare Diskussionen in der Stadt begleitet werden.
Die Debatten zu den Aspekten der Toleranz sollen angestoßen und visualisiert werden. Bereits bestehendes Engagement soll gewürdigt werden. Die Initiatoren haben die Hoffnung auf die Verstärkung bestehender Initiativen, die Vernetzung von Engagement sowie eine Vielzahl neuer Ideen und konkreter Umsetzungen.
Warum Potsdam ein ,neues Toleranzedikt´ braucht
Der Text der Sonntagsvorlesung unter dem gleichnamigen Titel ist jetzt als Broschüre erhältlich. In der Buchhandlung Wist, Brandenburger Straße und in der Stiftungsbuchhandlung, Gutenbergstraße, kann der 16-seitige Text gegen eine Schutzgebühr von 2 Euro erworben werden.
Als digitale Fassung können Sie den Text auf dieser Webseite herunterladen.
Warum Potsdam ein ,neues Toleranzedikt´ braucht (300 KB)
Wo gibt es die Broschüre?
Die Broschüre mit dem Diskussions-Text von Prof. Dr. Heinz Kleger liegt an verschiedenen Orten in der Stadt Potsdam aus. Wir haben eine Liste der Verteilungsorte zusammengestellt. Sie können ihn hier aber auch als PDF-Version herunterladen.
Verteilungsorte in der Stadt
Download: Für eine offene und tolerante Stadt der Bürgerschaft (360 KB)