Rechte Gewalt in Brandenburg - Opferperspektive e.V. berichtet über das Jahr 2009

Der in Potsdam ansässige gemeinnützige Verein Opferperspektive e.V. setzt sich ein für professionelle Hilfe für Opfer rechter Gewalt sowie eine möglichst aktuelle Berichterstattung. Für das Jahr 2009 zählte der Verein in Kooperation mit lokalen Initiativen 101 rechts motivierte Angriffe (2008: 110 Fälle). Direkt betroffen waren hierbei 138 Personen, indirekt weitere 58 Menschen. In 49 Fällen war Rassismus das Tatmotiv, in 26 Fällen politische Gründe und 18 Gewalttaten gegen das alternative Milieu. 78 der Straftaten gingen mit Körperverletzungen einher. Besonders die Großstädte Potsdam und Cottbus weisen mit 12 bzw. 13 Fällen die traurigen Spitzenwerte aus. Besonders der Anschlag auf das "Haus der Demokratie" in Zossen im Januar 2010 zeigt die Stoßrichtung der rechten Szene gegen politische Gegner. Die Tendenz der Zahl rechts motivierter Gewalttaten sei jedoch rückläufig. 2003 zählte man noch 117 Fälle und im Jahr 2007 den traurigen Höhepunkt mit 157 Fällen.

Bürgerinitiative Zossen zeigt Gesicht erneut von rechtsextremer Szene attackiert

30 Hakenkreuze an Häuserwänden, beschmierte Schilder und Gedenksteine der Aktion "Stolpersteine" sind das alarmierende Resultat von rechtsextremen Aktionen in der Nacht vom 6. zum 7. März 2010 in Zossen. Das Rathaus, Ladengeschäfte und Häuserwände wurden beschmiert. Unter anderem sprachen die Extremisten auch eine Morddrohung gegen ein Mitglied der Bürgerinitiative aus. Bedrohungen, Farbanschläge, Sachbeschädigungen, Schmierereien und Nazi-Aufkleber gehören mittlerweile zur traurigen Realität in Zossen. Die Zivilgesellschaft stemmt sich weiterhin gegen diese Aktivitäten von rechtsextremer Seite. Couragierte Bürger und Mitglieder der Bürgerinitiative begannen bereits am Sonntag mit der Beseitigung der rechtsgerichteten Symbole.

Was damals Recht war - Soldaten und Zivilisten vor Gericht der Wehrmacht

Vom 03. März bis 07. April wird in den Bahnhofspassagen Potsdam die Wanderausstellung in Porträts, Bildern und Texten an die etwa 30.000 Soldaten und Zivilistinnen und Zivilisten unterschiedlicher Nationen erinnern, die durch Unrechtsurteile der deutschen Wehrmachtsgerichte ihr Leben verloren. Die Ausstellung wird durch ein Vorab-Filmprogramm des Thalia-Kino Potsdam eingeleitet. Am 01.03. wird der Film "Jeder stirbt für sich allein" (1975) gezeigt.

Arbeitstreffen der deutschen Mitgliedsstädte der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR) am 25. und 26.2.2010 in der Landeshauptstadt Potsdam

Der Einladung des Oberbürgermeisters, Jann Jakobs, und des Vorsitzende der ECCAR, Dr. Hans Hesselmann, zum nunmehr 3. Arbeitstreffen der deutschen Mitgliedsstädte der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR) waren Vertreter von 13 Mitgliedsstädten und der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gefolgt. Im Mittelpunkt der Berichte und Diskussionen standen der Aufbau örtlicher Netzwerke gegen Rassismus und Diskriminierung unter breiter Einbeziehung der Bevölkerung am Beispiel des Vereins „Neues Potsdamer Toleranzedikt", Förderung von Chancengleichheit auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt und die gesundheitliche Versorgung von Menschen ohne ausreichende Krankenversicherung.

Ausstellung - "Ballarbeit -
Szenen aus Fußball und Migration"

Am 08. März eröffnen Mitarbeiter des Fanprojekts Babelsberg (Flutlicht - Verein für antirassistische Fußballkultur) und der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Potsdam im Kesselhaus des Potsdamer Waschhauses diese Wanderausstellung. Thema ist die Migration und grenzüberschreitende Entwicklung im Spiegel des Fußballs jenseits multikultureller Romantik. Welche integrativen Potenziale und Identifikationsangebote bietet der Sport. Können sich Akzeptanz, Respekt und Toleranz behaupten gegenüber Vorurteilen, Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen mit Migrationshintergrund? Fußball ist auch Ausdruck des Zusammenlebens, des Miteinanders. Wie können Migration und Integration auf lokaler Ebene gestaltet werden? Hier können konkrete Beispiele betrachtet werden.

Konferenz des Moses Mendelssohn Zentrums -
Toleranz fördern - Gemeinwesen stärken

Eine Bilanz der Bundesprogramme gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sowie Perspektiven der Programme erörtert die Fachkonferenz im MMZ der Universität Potsdam am 17. und 18. März 2010. Im Jahr 2007 legte die Bundesregierung die beiden Förderprogramme "VIELFALT TUT GUT" und "kompetent. für Demokratie" auf, um den Kampf gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu stärken. Das erste Programm setzt stärker auf Prävention, während das zweite die Intervention fördert. In Brandenburg ergänzen die Bundesprogramme das Handlungskonzept "Tolerantes Brandenburg". Die Konferenz zieht nach mehr als zwei Jahren Bilanz und erörtert, wie die Programme in Zukunft gestaltet werden können.

Vielfalt bereichert -
Workshop am Hasso-Plattner-Institut vorgestellt

"Bessere Lernergebnisse bei Kindern aus Immigrantenfamilien", so der etwas sperrige Titel des Workshops der in Babelsberg beheimateten  "HPI School of Design Thinking". Studierende hatten sich in Grundschulen mit hohem Ausländeranteil in Berlin und Brandenburg begeben und dort das Lernumfeld und das Lernklima aktiv untersucht. Nun präsentierten die HPI-Studenten in gelockerter Atmosphäre ihre Erfahrungen in Anwesenheit von Institutsgründer Hasso Plattner. Unkonventionell schlüpften sie in die Rollen von Lehrern, Schülern und Experten, um ihre Ergebnisse in Rollenspielen und kreativen Präsentationen vorzustellen. Resultat, der interkulturelle Austausch, die kulturelle Vielfalt im Klassenzimmer stellen eine Bereicherung dar, wenn man Zugänge zueinander schafft. Spaß und das aktive Miteinander fördern am Besten das miteinander und den Lernerfolg der Kinder.

Hänsel und Gretel -
russische Märchen für Kinder ab 5

Am 19. und 20. Februar wird im Malteser Treffpunkt Freizeit jeweils um 14 Uhr das Märchen "Hänsel und Gretel" aufgeführt. Es laden ein der "Verein Semljaki" und die "Schule der Künste InteGrazia". Angelehnt an die russischen Märchen "Väterchen Frost", "Warware die Schöne" und "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" bietet das Ensemble prächtige Kostüme, russische Musik und Tänze sowie die Möglichkeit zur interkulturellen Verständigung. Spielerisch können jung und alt sogleich erste russische Wörter aufschnappen. Das Projekt dient dem Kennenlernen der russischen Kultur und dem interkulturellen Dialog.

13. Februar 2010 - in Dresden gelingt ein denkwürdiger Erfolg gegen Rechts

Ein breites Bündnis von Dresdnern und Bürgern aus ganz Deutschland bot am Samstag den mehr als 5.000 Rechtsextremen in der Stadt die Stirn. Man hatte befürchtet, es würden bis zu 8.000 rechtsgerichtete und rechtsextreme Personen die Bombennacht von Dresden zu ihrem Gedenken vereinnahmen. Die Zivilgesellschaft begann bereits zu Beginn des Jahres ihren Widerstand zu organisieren. Eine Vereinnahmung der Bombennacht durch neonazistische Geschichtsverdrehung sollte durch zivilen Ungehorsam verhindert werden. Erfolgreich. Die zur größten Demonstration Rechtsextremer in Europa ausgerufene Demonstration wurde zu einem Debakel für den Rechtsextremismus in Deutschland. Die Öffentlichkeit spricht von einem wichtigen Sieg der jungen Demokratie im Osten der Bundesrepublik.

Lessing-Preis-Träger spricht von Toleranz und Gedanken der Aufklärung

Am 7. Februar 2010 wurde dem Journalisten und Publizisten, ehemaligen Auslandskorrespondenten des ZDF und WDR, einstigen Redenschreibers von Willy Brandt,  Klaus Harpprecht (geboren 1927) der Lessing-Preis verliehen. Die Jury rühmt, er habe die Synthese zwischen Kultur, Politik, Macht und Geist, zwischen Journalismus und Literatur auf eigenem Weg verwirklicht. Seit 1930 wird der Preis alle vier Jahre verliehen. In seiner Dankesrede mit dem Titel "Deine Wahrheit ist nicht geringer als meine" referiert er über die aufklärerischen Gedanken Lessings, dessen Toleranzverständnis, die Gedanken wirklicher Toleranz und die Wiederbelebung des deutschen Judentums. Die gekürzte Fassung können Sie hier nachlesen.

Das Engagement wird fortgesetzt in Zossen

Das „Haus der Demokratie“ der Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“ und des BAZ e.V. brannte in der Nacht des 22. Januars zwar vollkommen nieder, aber engagierte Bürgerinnen und Bürger lassen sich von der prekären Lage nicht entmutigen. Es ist noch nicht sicher, wo das „Haus der Demokratie“ neu entstehen kann, aber Unterstützung erhält die Initiative bereits jetzt. Die Amadeu Antonio Stiftung spendet 1.000 Euro für die Bürgerinitiative, damit deren Arbeit fortgesetzt werden kann. Mutig trotzen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen den Anfeindungen und Bedrohungen. Am 27. Januar, dem internationalen Holocaustgedenktag, setzten die Neonazis ihren zersetzenden Einfluss fort und störten die Gedenkveranstaltung der Bürgerinitiative auf dem Zossener Marktplatz. Damit die Bürgerinitiative ihre Arbeit möglichst schnell im Sinne einer aktiven Zivilgesellschaft wieder aufnehmen kann, bittet die Amadeu Antonio Stiftung um Spenden.

Verein Soziale Stadt und Haus der Generationen und Kulturen starten Integrationsprojekt

Im Haus der Generationen und Kulturen wurde am 27. Januar 2010 die neue Initiative „Nachbarn leben miteinander“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Geschäftsführer des Vereins Soziale Stadt Potsdam, Friedrich Reinsch, sagte bei der heutigen Vorstellung: „In diesem Projekt wollen wir mit Schlaatzer Bürgern gemeinsam Erfahrungen, Vorstellungen und Wünsche über gute und lebendige Nachbarschaft sammeln.“ Ziel ist es, diese Vorstellungen und Wünsche auch versuchen umzusetzen. In den kommenden acht Wochen werden 20 sogenannte „Interview-Tandems“ im Schlaatz ausschwärmen und ca. 200 Menschen im Stadtteil befragen.

Junger Rechtsextremist bekennt sich zum Anschlag auf das Haus der Demokratie in Zossen

Am Freitag, 29. Januar, gestand ein 16-jähriger Rechtsextremist den Brandanschlag am 23. Januar verübt zu haben, der zur völligen Zerstörung des "Haus der Demokratie" in Zossen führte. Der Teenager wollte sich in der ortsansäßigen Neonaziszene beliebt machen. Bereits kurze Zeit nach dem Brand hatten sich Neonazis vor dem zerstörten Haus fotografieren lassen. Die Tat des jungen Rechtsextremisten ist lediglich die Spitze des Eisberges einer ganzen Reihe von Drohungen und Attacken gegen die Bürgerinitiative. Die Bürgermeisterin der Stadt und die Polizei geben nach den jüngsten Ereignissen eine unglückliche Figur ab und halten sich bedeckt.

Das Internationale Center für Deutsche und Immigranten (ICDI) bietet Unterstützung und Begleitung bei der Integration in die Gesellschaft

Das ICDI e.V. lädt durch die Vorsitzende Charity Esther Okezie ein ins Haus der Generationen und Kulturen am 04. Februar um 15 Uhr. Die Zuwanderer/innen des ICDI e.V. sehen sich als Potsdamer/innen und leben gern hier. Sie haben selbst erfahren, was Rassismus bedeutet und wie Diskriminierung wirkt. Nun möchten Sie über Ihre Erfahrungen und das Wirken des Vereins berichten. 

Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus in Zossen

Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit der Stadt Zossen, Heilgard Asmus, ruft für den 27. Januar zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz (18 Uhr) in Zossen auf. "Erinnern wir uns an die Verpflichtung, in unserem Handeln für die Menschenrechte einzutreten und sie gegen die Verächter der Demokratie, die sich immer wieder in Zossen zeigen, zu verteidigen", so die Vorsitzende. Zugleich gilt es ein Zeichen zu setzen für den Neuanfang des am Samstag zerstörten Haus der Demokratie. Hier haben sich Zossener Bürger seit der Gründung im Jahr 2009 engagiert für eine demokratische Kultur und die Stärkung der Bürgerschaft gegenüber Drohungen und Anfeindungen von rechtsextremistischer Seite.

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Lassen Sie uns gemeinsam für eine weltoffene Stadt eintreten! Mitglied des Vereins können alle Personen werden, egal welchen Alters oder welcher Herkunft. Auch Organisationen, Vereine oder Unternehmen sind als Mitglieder herzlich willkommen! Der Mitgliedsbeitrag wird auf freiwilliger Basis erhoben, da wir niemanden aus finanziellen Gründen ausschließen wollen.

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Das Neue Potsdamer Toleranzedikt

Im Oktober 2008 wurde das Neue Potsdamer Toleranzedikt nach einem breiten Stadtgespräch veröffentlicht. Das Buch gibt es kostenlos im Bürgerservice der Stadtverwaltung und an vielen anderen Orten in der Stadt. Hier können sie es als digitale Version herunterladen.

Potsdamer Toleranzedikt 2008 (PDF, 12 MB)
Die Präambel des neuen Edikts (100 KB)
 

 

Veranstaltungstipps

Hier informieren wir Sie (via Verlinkung) über Potsdam, das Toleranzedikt und das Land Brandenburg betreffende Veranstaltungen, Events, Ausstellungen, Vorträge, besondere Ereignisse und ähnliches.


03.03.-07.04.2010, Ausstellung "Was damals Recht war - Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht", Bahnhofspassagen Potsdam

17.03.-18-03.2010, Konferenz, Toleranz fördern - Gemeinwesen stärken, Staatskanzlei, Brandenburgsaal (Haus 12), Heinrich-Mann-Allee 107, 14473 Potsdam

08.03.-26.03.2010, Ausstellung "Ballarbeit - Szenen aus Fußball & Migration", Waschhaus Potsdam, Schiffbauergasse 6, fanladen.babelsberch-14482.net

11.11.2009-18.03.2010, Ausstellung "Nacht-Räume - Orte an der ehemaligen Berliner Mauer", Heinrich-Mann-Allee 107, Potsdam, Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung

10.07.-14.03.2010, "Glück für alle! Wirklichkeit in DEFA-Filmen der fünfziger Jahre", Filmmuseum Potsdam, Marstall 1, www.filmmuseum-potsdam.de

01.01.2008-31.12.2015, Ausstellung "Land und Leute. Geschichten aus Brandenburg-Preußen", Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG)